Nachhaltige Marktwirtschaft

Bürgerstrom

Hegel - Freiheit - Irrtum - Dialektik - Erkennen wollen -
Wahrheit - Wissenschaft - werdendes Wissen -
Furcht vor der Wahrheit - Gestalten des Geistes

Selbstreflektion - Zweifel

Es ist wichtig, erfreulich oder unerfreulich, anderen zuzustimmen oder zu widersprechen. Besonders, wenn man etwas weiß oder zu wissen glaubt. Aber sich selbst zu widersprechen? Selbst zu prüfen, ob das, was man weiß oder nicht weiß, Wissen oder Meinung ist? Was fange ich mit einer Meinung, meiner Meinung, "dem Wissen" an? Was ist "Wahrheit" in meinem Wissen, in meiner Meinung?

Dialektik und Erkenntnis

Dialektik ist eine Methode der Erkenntnis, deren Wesen darin besteht, durch Aufdeckung der Widersprüche und deren Überwindung zur Auffindung der Wahrheit zu gelangen. Das Prinzip der "Dialektik", oder die Kunst zu überzeugen und sich dabei selber zu widersprechen, war schon den alten Griechen bekannt.

Eine kurze Geschichte: Der Schulmeister und zwei Bauern

Kommen also zwei Bauern zum Schulmeister und fragen ihn: „Du, sag mal, Schulmeister, Du hast doch einen klugen Kopf. Was ist das eigentlich, Dialektik?“

„Dialektik“, meint der Schulmeister und kratzt sich hinter den Ohren, „tja, das ist gar nicht so einfach zu erklären. Aber passt mal auf: Wenn hier zwei Bauern reinkommen, der eine glatt und schier, der andere, der sich wohl seit acht Tagen einen Bart hat stehen lassen, und ich sage zu ihnen: Einer von Euch sollte sich dringend mal mit meinem elektrischen Apparat rasieren, was meint ihr wohl, wer von beiden das annimmt?“

„Na, der Letztere doch“, antworten beide, „der, der acht Tage die Stoppeln im Gesicht hat.“ „Nee“, schüttelt der Schulmeister den Kopf, „der andere, der schier und glatt ist. Denn der ist das Rasieren ja gewohnt, dem macht das Spaß. Dem anderen ist das puttegal, wie er aussieht.

Wer also geht, und rasiert sich bei mir?“ „Haste doch eben gesagt. Der Glattrasierte!“

„Nee“, sagt der Schulmeister, „der andere. Denn der Glatte braucht sich ja nicht mehr zu rasieren. Aber der andere, der hat es doch dringend nötig, nicht wahr?“ „Aber Du hast doch eben …“

„Ist egal“, meint der Schulmeister, „wer wird sich also rasieren?“

„Na, der, der die Stoppeln im Gesicht hat!“ antworten die Bauern. „Nun“, sagt der Schulmeister, „demnach rasieren sich alle beide?“ „Na, hast Du doch eben selber …“

„Nee“, kontert der Schulmeister, „keiner von beiden rasiert sich. Der eine nicht, weil er eh glatt und schier ist, und der andere nicht, weil es ihm ja ohnehin egal ist, wie er aussieht!“

„Na, Schulmeister“, meint nun einer der Bauern, „da wird ja kein Mensch schlau draus. Du verdrehst uns immer die Worte!“

„Ja, seht ihr“, lacht der Schulmeister, „das ist Dialektik!“
Quelle: Autor: Manfred Zorn


Dialektik über eine Tomate
Oder muss es heißen „mit einer Tomate“ oder „wegen einer Tomate“? Oder …?

Kommen drei Brüder zum Markt, einer ist Biobauer, einer ist Ökobauer, einer konventionell anbauender Bauer und jeder will seine Tomaten verkaufen. Da stehen ein paar Leute, ernährungsbewusste, klimabewusste, unbewusste, vor den Ständen und fragen sich: „Welche Tomaten kaufe ich? Die vom Bio-Öko-Kon-Bauer?

Die Leute stellen Fragen: „Was ist der Unterschied zwischen Bio und Öko? Sind die (Bio-, Öko-, Kon-) Sind die Tomaten aus der Region?“ Wie weit wurden die Tomaten transportiert? Wie hoch war der Wasserverbrauch? Wie hoch der Stromverbrauch? Welche Herbizide, Pestizide wurden verwendet? Wieviel Dünger? Natürlicher oder künstlicher Dünger? Unter welchen Arbeitsbedingungen wurden die Tomaten geerntet? Händische oder maschinelle Ernte? Welches Transportmittel wurde benutzt? Wurde verändertes oder natürliches Saatgut verwendet? Gewächshaus oder Freiland? Mechanische Bodenbearbeitung oder mit Traktoren? Monokulturen oder Fruchtfolgen? Gibt es Unterschiede beim Mineralstoffgehalt der Tomaten? Übrigens: Wie ist das mit den Plastikplanen, unter denen die Tomaten wachsen? …“

Der Biobauer erklärt, dass seine Tomaten rein biologisch hergestellt wurden. Sie haben keine chemischen Belastungen und sind in Italien, Spanien unter unklaren Arbeitsbedingungen hergestellt. Geflüchtete wohnen direkt in Hütten auf den Plantagen und haben dadurch kurze Arbeitswege. Nach Einschätzung der örtlichen Behörden und der Plantagenbesitzer sind die Wohn- und Arbeitsbedingungen den gesetzlichen Bestimmungen angemessen.

Der Ökobauer erklärt, dass seine Tomaten, ökologisch rein, ohne Pestizide und Herbizide hergestellt wurden. Sie haben keine chemischen Belastungen und sind unter fairen Arbeitsbedingungen in den Niederlanden, Polen, Italien, Spanien hergestellt und werden per Lastwagen hergebracht. Die künstliche Bewässerung erfolgt je nach Notwendigkeit der jahreszeitlichen Bedingungen und entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen nach den Ökostandards des jeweiligen Herkunftslandes. Der Grundwasserspiegel sinkt zwar in manchen Regionen, aber der Biostandard ist eingehalten.

Der Kon-Bauer erklärt, dass seine Tomaten gespritzt wurden und deshalb keine sonstigen Lebewesen und Krankheitserreger an und in den Tomaten hausen. Die Tomaten sind regional angebaut und haben keine weiten Transportwege. Zur Bewässerung im Gewächshaus werden modernste Tröpfchen-Bewässerungsanlagen verwendet, die gleichzeitig ausreichend Nährstoffe an die Tomaten bringen. Der Strom ist 100% Ökostrom aus der Region. Die Proteste gegen Windräder und Solaranlagen nehmen aber zu, sodass … (wir das an anderer Stelle diskutieren.)

Nun sind die Leute verwirrt: „Moment, Ihr bringt unsere schöne heile, klar abgegrenzte Bio-, Öko-, Kon-Welt durcheinander. Wir dachten, die Welt ist klar sortiert? Es gibt gute und schlechte Tomaten, von guten oder schlechten Bauern, aus guten oder schlechten Ländern … Steht doch schließlich auf der Verpackung drauf. Wird uns doch ständig von allen möglichen Seiten (Echt?) gesagt. Habe ich im Internet gelesen. Wieso steht in Facebook, WhatsApp, Twitter, YouTube, Instagram was anderes? Das sind doch Informationen, Nachrichten. Von meinen „Freunden!?“

Sagt einer: „Ich lese nur noch Nachrichten, die ich lesen will. Alles andere ist sowieso irgendwie gelogen. Fernsehen und Zeitungen lügen grundsätzlich. Zumindest sagen sie auch Sachen, die nicht in mein Weltbild passen. Und ich habe nicht genug Zeit, um mich mit einer anderen Meinung auseinanderzusetzen. Könnte ja was dran sein. Und was ist dann mit meinem Weltbild? Und ich will mir keinen Irrtum eingestehen. Ich bin ein aufgeklärter Mensch. Weltoffen. Weitsichtig! Freiheitsliebend!! Meinungsfreiheit für alle!!! … Mensch, ich will doch nur Tomaten kaufen!“

Sagen die drei Bauern: „Ach, wir haben nur ein „Späßle“ gemacht. Natürlich sind alle guten Eigenschaften vereinigt bei der Ökofraktion. Ein paar gute und schlechte Eigenschaften sind bei der Biofraktion. Die konventionellen haben überwiegend schlechte Eigenschaften.“ „Sagt man.“ „Wer?“ „Weiß nicht.“ „Habe ich irgendwo gelesen. Oder nur gehört?“ „Wird schon was dran sein …“
„Wir wollen doch nicht in Dialektik verfallen und nachfragen, ob das stimmt, was wir euch gerade erzählen.“ Wenn wir die Menschen schon beim Kauf von Tomaten so durcheinanderbringen, wie würde das erst bei schwierigeren Fragen sein? Der Energiewende, der Elektromobilität, bei Lithium-Ionen-Batterien, einer Corona-Pandemie mit Covid-19 oder dem Klimawandel?

Fragt einer der Leute: „Aber die Ökotomaten kosten ja doppelt so viel, wie die Kon-Tomaten? Das kann ich mir nicht leisten, bei meinem Einkommen.“ Sagt ein anderer: „Die Biotomaten haben Flecken und sehen nicht so rot aus, wie die Ökotomaten.“ Sagt ein Dritter: „Ich esse nur Tomaten aus der Region, auch wenn sie gespritzt sind.“ Fragt ein weiterer: „Leute, ist euch aufgefallen, dass die Tomaten hier gar nicht in Plastik verpackt sind? Ich kann euch sagen, das mit dem Plastik …. (diskutieren wir an einer anderen Stelle. Oder heißt es zu einer anderen Zeit?)“

Nach einer Weile sagt der Erste: „Wisst ihr, mir ist das zu kompliziert. Heute esse ich keine Tomaten, ich gehe zu den Möhren.“ „Sagt der Zweite: „Ich will aber heute einen leckeren Tomatensalat essen und habe jetzt eine große Verwirrung und ein schlechtes Gewissen, wenn ich Kon-Tomaten kaufe. Schließlich bestehen doch fast alle Tomaten zu ca. 92-95% aus Wasser und enthalten Vitamine und Mineralstoffe. “Sagt der Dritte: „Am Möhrenstand gibt es nur einen Bauern. Da muss ich nicht auswählen. Die Möhren sind lecker.“ Ruft der Vierte in die Runde: „Wie ist das eigentlich mit dem Tomatenmark und dem Tomatenketchup?“
Die Runde war schnell aufgelöst … Die Tomaten waren am Ende des Tages alle verkauft … oder auch nicht, bei den langen Diskussionen.

Exkurs: Ein Philosoph hatte der Diskussion aufmerksam ihren Verlauf gelassen. Alsbald die illustere Runde sich der Auflösung orientierend hinwenden wollte, rief er in die Menge: „Ihr Menschen, Ihr Egoisten! Erkennt ihr nicht die wahre Natur der Natur? Die metaphysische Dimension des Handelns? Jenseits der reinen Vernunft? Es ist von Bedeutung auch einmal die Diskussion aus Sicht der Tomate zu führen. Aus Sicht der Insekten, der Vögel, der Bodenstrukturen. Die Dimensionen eurer Ernährung sind Allumfassend. Denkt an die …

Die Leute gingen ihrer Wege. „Ich glaube, bei dem Typ ist eher metabolisch was nicht in Ordnung. Aber über veränderliche Stoffwechselfunktionen sprechen wir morgen. Da kaufe ich Gurken … Oder sogar Fleisch? …

„Morgen frage ich noch die Ernährungsberatung oder die Verbraucherzentrale, wie das mit den Tomaten ist. Die Regierung weiß das bestimmt oder das Landratsamt, die Gemeindeverwaltung …“ „Sind eigentlich die Tomaten in deinem Garten oder auf deinem Balkon schon reif? Du weißt ich habe keinen Garten, das sind Tomaten, die wir in einem Bürgerprojekt zusammen mit der Gemeinde auf einem öffentlichen Grundstück angepflanzt haben, zusammen mit einem Landwirt haben wir … „Da vorne ist der Supermarkt, da spricht uns keiner an, wenn wir Tomaten kaufen …“ “Ich liebe Tomatensalat.“

Copyright © Dietmar Helmer 2020-09

Was ist ökologische oder konventionelle Landwirtschaft?

Die ökologische Landwirtschaft

  • nutzt zum Schutz vor Schädlingen natürliche Pestizide, den Anbau robuster Sorten, Fruchtwechsel, Nützlinge und mechanische Maßnahmen wie Hacken und Abflammen
  • verwendet vor allem Düngemittel wie Kompost oder Mist, in denen Stickstoff natürlich gebunden ist oder Stickstoff sammelnde Pflanzen (Leguminosen)
  • nutzt vielfältige Fruchtfolgen, damit Felder mit verschiedenen Kulturen bepflanzt werden
  • erlaubt nur eine begrenzte Zahl an Tieren pro Fläche

Die konventionelle Landwirtschaft

  • setzt zum Schutz vor Insekten, Pilzen und Unkraut vor allem chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel ein
  • verwendet künstliche, mineralische, leicht lösliche Dünger (meist Stickstoff, Phosphor oder Kalium), um das Pflanzenwachstum zu beschleunigen
  • ist meist spezialisiert auf eine Pflanzenart – der Anbau von Monokulturen ist im Rahmen der Spezialisierung unvermeidbar
  • kann auch deutlich größere Viehbestände halten

Quelle: Bio und konventionell, der Unterschied auf einen Blick "Quarks"

Ist BIO immer besser?

Nachhaltig, fair, gesund: Bio-Produkte genießen einen guten Ruf, die konventionelle Landwirtschaft ist verstärkt in der Kritik.
Aber: Bio hat nicht zwangsläufig die Nase vorn. Eine Analyse aller relevanten Studien. Quelle: Quarks

Die Bio-Lüge von der Tomate

Unsere Tomaten wachsen unter Plastikfolien in Spanien. Auch Bio-Tomaten. Aber wie gut sind die eigentlich? Nelson Müller stößt auf dreiste Marketing-Maschen und Verbrauchertäuschungen. Quelle: Stern                      


Alleskönner Tomate "Planet Wissen" und Anbaumethoden "Planet Wissen"

Anbau von Tomaten

In Deutschland wurden 2018 auf knapp 398 Hektar Tomaten angebaut und 103.266 Tonnen Tomaten geerntet. Etwa ein Sechstel dieser Fläche wird ökologisch bewirtschaftet, bei der Erntemenge entfällt gut ein Zehntel auf Biotomaten.

Im Durchschnitt kaufte jeder Privathaushalt in Deutschland 2019 elf Kilogramm frische Tomaten. Rechnet man frische und verarbeitete Tomaten, etwa in Form von Tomatenmark oder Ketchup, zusammen, lag der Pro-Kopf-Verbrauch 2018/19 bei 27,2 Kilogramm. Tomaten sind mit Abstand das beliebteste Gemüse in Deutschland. Insbesondere die Einführung der Rispentomate Mitte der 1990er Jahre hat zum Erfolg der Tomate beigetragen.

Quelle: Das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) ist das Kompetenz- und Kommunikationszentrum für Ernährungsfragen in Deutschland.

Woher kommen unsere Tomaten?

Tomaten stehen in Deutschland ganzjährig und in gleichmäßig großen Mengen zur Verfügung. Deutsche Tomaten sind von März bis Dezember erhältlich, 84 Prozent der Gesamtmenge wird allerdings in der Zeit von Mai bis Oktober angeboten.

Obwohl sich die Menge der in Deutschland geernteten Tomaten allein in den 15 Jahren zwischen 2003 und 2018 mehr als verdoppelt hat, liegt der Selbstversorgungsgrad nur bei knapp 12 Prozent (Stand 2018).

Der Nettoimport von Tomaten belief sich 2018 auf rund 719.000 Tonnen, Hauptlieferland waren die Niederlande, mit Abstand gefolgt von Spanien, Belgien, Marokko, Italien, Polen, Frankreich und der Türkei.

Quelle: Das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) ist das Kompetenz- und Kommunikationszentrum für Ernährungsfragen in Deutschland.

 

Deutsche Lebensmittelbuch-Kommission

Die Deutsche Lebensmittelbuch-Kommission (DLMBK) ist ein gesetzlich verankertes, unabhängiges Gremium, das bereits seit 1962 besteht. Vertreterinnen und Vertreter aus den Bereichen Lebensmittelüberwachung, Wissenschaft, Verbraucherschaft und Lebensmittelwirtschaft erarbeiten in Fachausschüssen die Leitsätze.

Diese beschreiben das gemeinsame Verständnis einer Vielzahl von Lebensmitteln hinsichtlich ihrer Zusammensetzung und sonstiger Beschaffenheit unter Berücksichtigung des redlichen Herstellungs- und Handelsbrauchs sowie der berechtigten Verbrauchererwartung.